Hauptmenü
News
Die Fellfarbe blau
Die Französische Bulldogge in blau
Die Fellfarbe blau gibt es in diesem Sinne gar nicht. Es handelt sich dabei um eine Farbverdünnung (Dilution) von schwarz. Richtig müsste es demzufolge heißen; die Fellfarbe Dilute.
Es gab schon immer Hunderassen, bei denen es Tiere mit verdünnter, aufgehellter Fellfarbe gab. Die Französische Bulldogge ist auch eine davon!
Verantwortlich für diese Farbveränderung sind genetisch bedingte „Verklumpungen“ des Melanins. Melanin wird in den Melanozyten, den Pigmentzellen, aus Tyrosin, einer Aminosäure, gebildet und von dort ins Haar geschleust. Die Melanozyten befinden sich in den Haarbälgen und in der Haut.
Bei Hunden kommt das Melanin in zwei verschiedenen Formen vor: Eumelanin und Phäomelanin. Während Eumelanin für das schwarze Pigment verantwortlich ist, so ist Phäomelanin für die Farben gelb bis rot in allen Schattierungen, also helleres Pigment verantwortlich.
Die Pigmentzellen entstehen während der Embryonalentwicklung eines Hundes und wandern bis zu seiner Geburt an ihren Bestimmungsort. Ein Farbpigment besteht aus einer Vielzahl kleiner Pigmentkörnchen.
Die vorkommende Fellfarbe „blau“ oder „grau“ ist das Resultat einer Farbverdünnung bei schwarzen Hunden. Bei braunen Hunden nennt sich die entsprechende verdünnte Fellfarbe „lilac“ oder „isabella“. Rote Hunde werden so zu „apricot“ verdünnt und verdünnte helle Hunde werden oft als „cream“ bezeichnet.
Bei Hunden mit verdünnter Fellfarbe ist der Transport der Pigmentkörner aus den Melanozyten ins Haar und in die Haut gestört. Dadurch kommt es zu Verklumpungen der Granula und zu Deformationen der Haarbälge.
Die Farbverdünnung wird also durch einen defekt des sogenannten Melanophilin-Gens (MLPH) zum Normalgen ausgelöst.
Durch das MLPH-Gen wird die Intensität der Fellfarbe beeinflusst. Bei den Hunderassen Deutscher Pinscher, Dobermann Pinscher, Rhodesian Ridgeback, Beagle, Großer Münsterländer, Miniaturpinscher und American Staffordshire wurde eine bestimmte Veränderung im MLPH-Gen als Ursache für das Auftreten der Farbverdünnung identifiziert. Sowohl Eumelanin (schwarz/braun), als auch Pheomelanin (rot/gelb) werden durch das defekte MLPH-Gen verdünnt. Allerdings ist der Effekt auf Pheomelanin-gefärbtes Fell nicht so stark ausgeprägt, als auf Eumelanin-gefärbtes Fell. Daher ist die Farbverdünnung bei hellen Hunden oft schwer zu erkennen. Betroffen von der Farbverdünnung sind neben der Fellfarbe auch die Nasen- und Fußballenfarbe.
Das MLPH-Gen liegt im Erbgut des Hundes in zwei Kopien vor. Diese beiden Kopien können in zwei verschiedenen Ausprägungen (Allelen) vorkommen:
Zum einen, in der unveränderten (wildtyp)-Form, welche mit D bezeichnet wird. Diese sorgt für die volle Ausprägung der Fellfarbe schwarz. Da das D-Allel dominant wirkt, reicht hier bereits eine D-Kopie für die volle Ausprägung der Fellfarbe aus.
Zum anderen, in seiner veränderten Form, welche mit d bezeichnet wird. Diese sorgt zu einer Aufhellung der Fellfarbe, also zu blau. Da das d-Allelrezessiven wirkt, müssen beide Kopien des Gens in der veränderten Form d vorliegen (Genotyp dd), damit es zur Ausprägung der verdünnten Fellfarbe blau komm kann.
Die folgenden Genotypen sind möglich:
D/D
Dieser Hund trägt nicht die MLPH-Mutation, welche für die Farbverdünnung der Fellfarbe verantwortlich ist. Er ist reinerbig für das Wildtyp-Allel D.
D/d
Dieser Hund ist mischerbig. Er ist sowohl Träger des Normalgens, als auch Träger des defekten MLPH-Gens. Er prägt die verdünnte Fellfarbe selbst nicht aus, da das defekte MLPH-Gen rezessiv ist. Jedoch wird die Anlage für die Farbverdünnung mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit vererbt.
d/d
Dieser Hund ist ein reinerbiger Träger des defekten MLPH-Gens. Er prägt die verdünnte Fellfarbe aus und vererbt die Anlagen zur Farbverdünnung mit einer 100%igen Wahrscheinlichkeit an seine Erben.
Die Fellfarbe Dilute (bezeichnet mit D-Lokus) wird unmittelbar nach der Geburt ausgeprägt. Es gibt aber auch Hunderassen, bei denen eine verzögerte Form der Farbverdünnung auftritt. Diese wird durch ein anderes Gen verursacht. Diese Hunde werden zunächst schwarz geboren und ergrauen erst im späteren Verlauf ihres ersten bis zweiten Lebensjahres („progressive greying“; G-Lokus). Es gibt aber auch Hunderassen, in denen beide Formen der Farbverdünnung vorkommen.
Bei einigen Doggen und den Weimaranern zum Beispiel wird die Farbverdünnung durch das MLPH-Gen verursacht. Diese tragen die Fellfarbe Dilute. Bei Old English Sheepdogs und Kerry Blue Terriern dagegen wird die Farbverdünnung durch das progressive greying-Gen verursacht.
Man kann heute auch mit Sicherheit sagen, dass in der Dänischen Dogge, dem großen Münsterländer und dem Neufundländer das d-Allel, das einzige Allel ist, welches eine Farbverdünnung verursacht. Allerdings kann bei den Rassen Shar-Peis, Italienische Windhunde, Chow Chows und Dobermann Pinschern zurzeit nicht ausgeschlossen werden, dass es noch weitere DNA-Veränderungen gibt, die eine verdünnte Fellfarbe verursachen.
Es ist tiermedizinisch erwiesen, dass Hunde mit verdünnter Fellfarbe, also Genotyp dd, ein höheres Risiko haben unter wiederkehrenden Hautentzündungen und an Haarverlust zu leiden, als andere Hunde. Dieses Krankheitsbild nennt man Schwarz-Haar-Follikel Dysplasie oder auch Farbverdünnungs-Alopezie (Colur dilution alopecia – CDA). Sie ist auch besser bekannt unter den Namen Blue Doberman Syndrome, weil man diese Erkrankung am häufigsten beim blauen Dobermann beobachten konnte. Dies führte auch dazu, dass der deutsche Zuchtclub die Farbe blau im Jahr 1990 aus dem Dobermann-Standard strich.
Bei der Erkrankung an CDA spielt es keine Rolle, ob der Hund noch andere Zeichenmuster besitzt, da davon nur dilute Stellen betroffen sind. Wie stark jedoch diese Symptome ausgeprägt sind, variiert zwischen den einzelnen Hunderassen und von Hund zu Hund. Während in einigen Hunderassen der Haarverlust erst bei Hunden auftritt, die bereits einige Jahre alt sind, scheint zum Beispiel beim Großen Münsterländer diese Krankheit schon bei Welpen bis zu 12 Wochen aufzutreten. Dabei sind alle graugefärbten Fellbereiche betroffen.
Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass nicht alle Hunde, die den Genotyp dd aufweisen, also eine verdünnte Fellfarbe besitzen, auch eine CDA entwickeln. Es gibt aber beschriebene Fälle beim Yorkshire Terrier, der Deutschen Dogge, dem Weimaraner, dem Irish Setter, dem Whippet, dem Dackel, dem ChowChow, dem Pudel, dem Italienischem Windspiel, dem Chihuahua, dem Deutschem Pinscher und dem Zwergpinscher. Außerdem sind vereinzelte Krankheitsfälle beim Grossen Münsterländer, dem Saluki, dem Bearded Collie, dem Border Collie, dem Basset, dem Papillon, dem Schipperke und bei Mischling beobachtet worden. Diese Fälle wurden alle in wissenschaftlichen Fachblättern veröffentlicht. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass auch in anderen Rassen Fälle von CDA aufgetreten sind, die aber nicht dokumentiert wurden. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass noch weitere Fälle anderer Rassen auftreten werden.
Wie bei der Französischen Bulldogge, ist nicht bei jeder der oben genannten Rassen Blau ein zugelassener Farbschlag. Die FCI hat zur blauen Fellfarbe folgende Definition herausgegeben: Hunde mit blauem Haarkleid dürfen auf keinen Fall eine schwarze Nase haben; die Augenfarbe ist ganz selten dunkler als haselnussbraun. Die Farbintensität des Haarkleids oder der Haut erstreckt sich von blassem Taubenblau bis kräftigem Stahlblau oder von Graublau bis Schieferblau. Falls in einigen Rassen, in denen ausschließlich eine schwarze Nase gestattet ist, blaufarbene Tiere vorkommen, bedeutet das, dass diese Farbe nicht zulässig ist.
Der für die Französische Bulldogge festgelegte Standard sieht vor, dass ein Nasenschwamm, der eine andere Farbe als Schwarz aufweist, als ausschließender Fehler zu werten ist. Hieraus ergibt sich das Zuchtverbot mit Französische Bulldoggen mit blauer Fellfarbe. Dies gilt allerdings nur für Vereine mit FCI-Anschluss.
Was bedeutet dies für die Französische Bulldogge?
Es gibt seit 2006 einen Gentest, mit dem sich feststellen lässt, ob ein Tier Anlageträger (D/d) ist oder nicht. Bis dahin gab es keine Möglichkeit sie als Blauträger zu identifizieren, bis eben blauer Nachwuchs da war. (Einen Gentest, mit dem man feststellen kann, ob ein Tier Träger einer CDA ist, gibt es nicht.) Mit diesem Gentest wäre es eigentlich möglich, blauen Nachwuchs zu vermeiden. Leider scheint dieser Gentest dazu missbraucht worden zu sein, um genau diesen Nachwuchs zu erhalten. Anders lässt sich nicht erklären, dass in den letzten 2-4 Jahren immer mehr Französische Bulldoggen und auch andere Hunderassen mit blauer Fellfarbe auf der Bildfläche erschienen sind.
Einige Züchter und Halter blauer Bullies rechtfertigen ihr handeln mit dem langjährigen Zuchtverbot von fawn farbenen Bullies. Man muss aber wissen, dass fawn eine Farbe ist die schon immer da war. Die Französische Bulldogge hat sie von ihrem nahen Verwandten, dem English Bulldog. Das Verbot stammt aus der Zeit, als der Rassestandard für die Französische Bulldogge festgeschrieben wurde und ist vermutlich darauf zurück zu führen, um sie vom damals noch existierenden Toy Bulldog, welcher der Französischen Bulldogge bekanntlich sehr ähnlich sah, stärker zu unterscheiden. Den Toy Bulldog gibt es nicht mehr.
Leider ist nicht dokumentiert, wie häufig eine CDA unter den Blauen der Französischen Bulldoggen auftritt. Allerdings sollte allein die Tatsache, dass auch nur ein Hund daran erkranken kann, ausreichen, um sich aus ethischen Gründen gegen die Zucht mit blauen Hunden auszusprechen. Wer trotz den oben aufgeführten Erkenntnissen blaue Hunde züchtet, nimmt auch die Erkrankung seiner Hunde billigend in kauf. Dies ist nicht nur gewissenlos gegenüber seinen Hunden, sondern auch skrupellos gegenüber den Käufern.
Die gezielte Zucht blauer Bulldoggen kann also niemals aus Liebe zur Rasse stattfinden, sondern immer aus Profitgier. In Zeiten, in denen man die Französische Bulldogge Modehund schimpft, wollen sie etwas Besonderes anbieten, für Leute die etwas Besonderes haben wollen. Da man mit einer "normalen" Französische Bulldogge nicht mehr auffällt, muss es halt eine besondere Farbe sein. Freakige Hunde für freakige Leute! Wer eine Rasse wie die Französische Bulldogge liebt, sollte alles erdenkliche für ihre Gesundheit tun.